High-Need-Baby: Warum wir im ersten Jahr keinen Kinderwagen gebraucht haben

Mutter trägt ihr Baby in einer cremefarbenen Babytrage bei einem Spaziergang im Wald. Die Babytrage war im Alltag mit unserem High-Need-Baby unverzichtbar.

Während meiner ersten Schwangerschaft, hatte ich dieses Bild im Kopf, das wahrscheinlich viele werdende Mamas kennen. Lange Spaziergänge mit dem Kinderwagen, mein Baby schläft friedlich und wir genießen gemeinsam die Zeit draußen.

Die Realität sah bei uns ganz anders aus.

Natürlich hatten wir einen schönen Kombi-Kinderwagen gekauft. Wie wahrscheinlich die meisten Eltern hatten wir uns an den üblichen Babylisten orientiert und wollten für alles vorbereitet sein.

Genutzt haben wir ihn im ersten Jahr allerdings kaum.

Unsere Tochter wollte einfach nicht darin liegen. Wir haben es immer wieder versucht. Kaum lag sie im Kinderwagen, fing sie an zu brüllen. Nicht nur kurz oder ein bisschen. Sie hat sich richtig hineingesteigert und man hat sofort gemerkt, dass es für sie eine absolute Katastrophe war. Sie ließ sich darin überhaupt nicht beruhigen.

Sobald wir sie wieder herausnahmen und auf den Arm nahmen, war sie fast sofort wieder ruhig.

Damals habe ich oft gedacht, dass wir bestimmt irgendetwas falsch machen. Heute weiß ich, dass sie den Kinderwagen einfach nie als sicheren Ort empfunden hat.

Schon in ihrem ersten Lebensjahr bin ich immer wieder auf den Begriff High-Need-Baby gestoßen. Je mehr ich darüber gelesen habe, desto klarer wurde mir, dass genau das unsere Situation beschreibt. Vieles, was bei anderen Familien scheinbar ganz selbstverständlich funktionierte, funktionierte bei uns einfach nicht.

Heute würde ich trotzdem wieder einen Kombi-Kinderwagen kaufen. Man weiß vorher einfach nicht, welches Baby man bekommt. Bei meiner zweiten Tochter war es nämlich komplett anders. Sie hat die Babyschale von Anfang an geliebt und später den Buggy ganz selbstverständlich genutzt. Deshalb hat sich der Kauf für uns am Ende doch gelohnt. Hätten wir nur unsere erste Tochter gehabt, wäre der Kinderwagen im ersten Jahr wahrscheinlich unsere unnötigste Anschaffung gewesen.

Falls du gerade deine Babyerstausstattung planst, schau dir auch meinen Artikel „Babyerstausstattung – Was wir wirklich gebraucht haben und was im Schrank verstaubt ist“ an. Dort geht es um unsere allgemeinen Erfahrungen. Dieser Artikel erzählt von einer Zeit, die noch einmal ganz anders war.

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Ein Baby, das ständig Nähe brauchte

Zwei Babytragen, eine Manduca Sling und eine Manduca XT, liegen zusammen mit Babyzubehör auf einem hellen Holzboden.

Sie wollte getragen werden. Eigentlich immer.

In der Trage ist sie eingeschlafen. In der Trage konnte ich sie beruhigen. Und in der Trage konnte ich überhaupt erst meinen Alltag bewältigen.

Ohne eine Trage hätte ich im ersten Jahr kaum beide Hände frei gehabt. Kochen, essen oder einfach mal kurz durchatmen wäre kaum möglich gewesen.

In den ersten Monaten hatten wir eine Manduca Sling. Später sind wir auf die Manduca XT umgestiegen. Dasselbe Modell konnten mein Mann und ich beide nutzen, ohne ständig lange Einstellungen verändern zu müssen. Das hat den Alltag deutlich einfacher gemacht.

Natürlich ist jede Familie anders. Wenn du dir unsicher bist, lohnt sich auch eine Trageberatung. Dort kannst du verschiedene Modelle ausprobieren und herausfinden, welche Trage zu dir und deinem Baby passt.

Wenn ich heute nur ein Produkt nennen müsste, das unseren Alltag wirklich verändert hat, dann wäre es ganz klar eine gute Babytrage.

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Der Spielbogen für ein paar ruhige Minuten

Baby liegt entspannt unter einem Spielbogen in einem hellen Kinderzimmer und greift nach den hängenden Figuren.

Natürlich musste ich sie zwischendurch auch einmal ablegen können.

Unser Spielbogen war dafür tatsächlich eine große Hilfe. Sie hat nach den Figuren gegriffen, beobachtet und sich für ein paar Minuten beschäftigen lassen.

Aber eben wirklich nur für ein paar Minuten.

Zu viele Reize auf einmal waren für sie einfach zu viel. Viele Farben, laute Geräusche oder mehrere Menschen gleichzeitig haben sie schnell überfordert. Sie brauchte Beschäftigung, aber immer nur in kleinen, ruhigen Portionen.

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Die Hexenstunde zwischen 17 und 22 Uhr

Gemütliche Abendstimmung mit Babytrage, Kopfhörern, Babyphone und einer Tasse Tee als Symbol für lange Abende mit einem High-Need-Baby.

Fast jeden Abend begann ungefähr um 17 Uhr unsere persönliche Hexenstunde.

Bis etwa 22 Uhr hat sie oft fast durchgehend gebrüllt.

Wir haben alles ausprobiert. Tragen, kuscheln, singen, spazieren gehen.

Am Ende konnten wir sie eigentlich nur begleiten und ihr die Nähe geben, die sie in diesen Momenten gebraucht hat.

In dieser Zeit habe ich angefangen, geräuschreduzierende Kopfhörer zu tragen. Nicht, weil ich meine Tochter nicht hören wollte. Ganz im Gegenteil. Ich musste einfach selbst ruhig bleiben. Die Kopfhörer haben die Lautstärke etwas gedämpft, aber ich konnte sie natürlich jederzeit hören.

Sie haben mir geholfen, in diesen langen Abenden selbst nicht völlig an meine Grenzen zu kommen.

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Ein kleiner Fun Fact: Genau diese Kopfhörer nutzen wir heute noch. Meine große Tochter trägt sie inzwischen gelegentlich in der Schule, wenn ihr die Geräusche im Klassenraum zu viel werden. Sie helfen ihr dabei, sich besser zu konzentrieren. Verrückt, dass ein Produkt, das uns damals in dieser anstrengenden Zeit geholfen hat, heute immer noch im Einsatz ist.

Keine Krabbelgruppe, kaum Termine

Im ersten Lebensjahr waren wir kaum bei Krabbelgruppen oder größeren Treffen mit anderen Eltern.

Die erste Krabbelgruppe haben wir erst besucht, als sie ungefähr zehn Monate alt war.

Vorher habe ich mich ehrlich gesagt nicht getraut.

Ich hatte Angst, dass sie wieder überfordert reagiert und ich als Mutter das Gefühl bekomme, alles falsch zu machen.

Stattdessen waren wir viel draußen unterwegs.

Spaziergänge in der Natur haben ihr gutgetan. Dort war es ruhig, überschaubar und ohne ständige Reizüberflutung.

Was mir damals gefehlt hat: eine Federwiege

Helle Federwiege in einem liebevoll eingerichteten Kinderzimmer mit natürlichen Farben und ruhiger Atmosphäre.

Wenn ich heute noch einmal zurückreisen könnte, würde ich mir eine Federwiege kaufen.

Damals konnte ich sie mir einfach nicht leisten.

Eine Freundin hatte eine zu Hause und ich durfte sie dort ausprobieren.

Ich legte meine Tochter hinein und sie wurde innerhalb weniger Augenblicke ruhig.

Die sanften Bewegungen erinnerten sie offensichtlich an das Tragen.

In diesem Moment wusste ich, dass uns eine Federwiege den Alltag wahrscheinlich deutlich erleichtert hätte.

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Ja, Federwiegen sind teuer.

Aber bei einem Kind, das so viel Nähe und Bewegung braucht, wäre das für mich heute keine gewöhnliche Anschaffung mehr. Es wäre eine Investition in die eigene Kraft und in ein kleines bisschen Entlastung.

Mein zweites Kind war komplett anders

Mutter schiebt einen Kinderwagen auf einem Waldweg und genießt einen entspannten Spaziergang mit ihrem Baby.

Mit meiner zweiten Tochter habe ich erst richtig verstanden, wie unterschiedlich Babys sein können.

Sie ließ sich problemlos ablegen.

Sie schlief auch einmal alleine ein.

Besuch war kein Problem und neue Situationen haben sie kaum aus der Ruhe gebracht.

Erst durch diesen direkten Vergleich wurde mir bewusst, wie außergewöhnlich anstrengend das erste Jahr mit meiner großen Tochter tatsächlich gewesen ist.

Wer selbst kein High-Need-Baby begleitet hat, kann diese Erschöpfung oft nur schwer nachvollziehen.

Es geht nicht einfach nur um ein bisschen mehr Schreien oder etwas weniger Schlaf.

Man hat oft das Gefühl, rund um die Uhr gebraucht zu werden.

Mein Fazit

Babytragen, Federwiege, Spielbogen und Babyzubehör in einem hellen Kinderzimmer als Symbol für unseren Alltag mit einem High-Need-Baby.

Wenn ich aus diesem ersten Jahr eines gelernt habe, dann dies:

Vergiss jede Standardliste, wenn sie für dein Kind einfach nicht passt.

Wir haben einen teuren Kombi-Kinderwagen gekauft und ihn im ersten Jahr kaum genutzt. Dafür war unsere Babytrage täglich im Einsatz.

Am Ende zählt nicht, was irgendwelche Listen empfehlen. Entscheidend ist, was eurem Baby und euch wirklich hilft.

Falls du gerade selbst ein Baby hast, das viel mehr Nähe braucht als andere, möchte ich dir eines mitgeben:

Du bist nicht allein und es wird besser. 

Mir hat damals vor allem gefehlt, von anderen Eltern zu lesen, denen es genauso ging. Deshalb teile ich heute unsere Erfahrungen. Vielleicht hilft dir dieser Artikel dabei, dich ein kleines Stück weniger allein zu fühlen.


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