Finanzielle Bildung für Kinder: Unser Start mit Budgetplaner und drei Geldumschlägen

Mutter erklärt ihrer Tochter am Küchentisch den Umgang mit Geld, während das Kind Euromünzen sortiert.

Meine Tochter wird im Januar neun Jahre alt. In den vergangenen Tagen haben wir uns zum ersten Mal ganz bewusst und ausführlich mit ihrem eigenen Geld beschäftigt. Nicht nur damit, wie viel Geld sie besitzt oder was sie sich davon kaufen möchte. Sondern mit der viel wichtigeren Frage: Wie kann sie ihr Geld so einteilen, dass sie heute Freude daran hat und gleichzeitig für größere Wünsche und ihre Zukunft spart?

Ich habe ihr dafür einen Budgetplaner geschenkt und wir haben gemeinsam ihre ersten drei Geldumschläge angelegt:

  1. Spaßausgaben

  2. Größere Wünsche

  3. Langfristige Ziele

Ein vierter Umschlag für Spenden oder Geschenke kann später freiwillig dazukommen. Im Moment starten wir bewusst mit drei Töpfen, damit das System für sie verständlich und im Alltag auch wirklich nutzbar bleibt.

In dieser Woche werden wir ihr gesamtes Bargeld, das sie zu Hause hat, gemeinsam sortieren und auf die drei Umschläge verteilen. Anschließend zeige ich ihr Schritt für Schritt, wie sie Einnahmen und Ausgaben in ihrem Budgetplaner eintragen kann.

Wir stehen mit diesem System selbst noch ganz am Anfang. Genau deshalb möchte ich euch dabei mitnehmen. Nicht als Finanzexpertin, die behauptet, für jede Familie die perfekte Lösung zu haben, sondern als Mutter, die ihrer Tochter etwas mitgeben möchte, das sie selbst als Kind nicht gelernt hat.

Ich bin Betriebswirtin – und musste den Umgang mit Geld trotzdem erst lernen

Ich bin 39 Jahre alt, geprüfte Betriebswirtin und arbeite schon seit Mitte 20 im Bereich Finanzbuchhaltung. Einnahmen, Ausgaben, Belege, Konten und saubere Strukturen waren für mich deshalb nie völlig fremd. Organisiert war ich ohnehin schon immer.

Trotzdem hatte ich lange keine wirkliche finanzielle Bildung.

Ich wusste, wie Buchhaltung funktioniert. Aber Aktien, ETFs, Geldanlage, Altersvorsorge und langfristiger Vermögensaufbau fühlten sich für mich wie eine völlig andere Welt an. Vor einem Banktermin hatte ich großen Respekt, weil ich häufig das Gefühl hatte, meinem Gegenüber fachlich nicht folgen zu können. Finanzprodukte wirkten kompliziert und teilweise sogar ein wenig beängstigend.

Das zeigt für mich heute sehr deutlich: Beruflich mit Zahlen oder Buchhaltung zu arbeiten bedeutet nicht automatisch, privat sicher mit allen Finanzthemen umgehen zu können.

Meine Eltern trifft daran keine Schuld

Meine Eltern gehören zur Boomer-Generation. In meiner Kindheit wurde über Geld, Geldanlage oder Altersvorsorge nicht besonders ausführlich gesprochen. Das meine ich nicht als Vorwurf. Es war damals in vielen Familien einfach nicht üblich, solche Themen systematisch mit Kindern zu besprechen.

Wahrscheinlich haben auch viele Eltern selbst nie gelernt, wie man Vermögen langfristig aufbaut oder welche unterschiedlichen Möglichkeiten der Geldanlage es gibt. Man arbeitete, bezahlte seine Rechnungen, sparte vielleicht etwas auf einem Sparbuch – und über Geld sprach man ansonsten eher wenig.

In der Schule habe ich ebenfalls kaum etwas darüber gelernt. Natürlich haben wir Münzen und Scheine kennengelernt und später im Mathematikunterricht mit Prozenten und Zinsen gerechnet. Aber mir hat niemand erklärt, was Zinsen für mein eigenes Leben bedeuten, warum Rücklagen wichtig sind oder wie ich eine Nebenkostenabrechnung verstehe.

Mit 17 hatte ich meine erste Wohnung – aber keinen finanziellen Fahrplan

Als ich mit 17 Jahren auszog und meine erste eigene Wohnung hatte, wusste ich vieles schlichtweg nicht. Was genau ist eine Nebenkostenabrechnung? Welche Kosten kommen regelmäßig auf mich zu? Wie hoch sollte eine Rücklage sein? Welche Versicherungen brauche ich wirklich? Und wie plane ich mein Geld so, dass am Monatsende nicht plötzlich alles weg ist?

Ich konnte rechnen und war organisiert. Aber mir fehlte das Wissen, wie all diese Dinge im echten Leben zusammengehören.

Erst Ende 20 beziehungsweise Anfang 30 begann ich, mich wirklich intensiv mit Finanzen zu beschäftigen. Ich schaute Videos, hörte Podcasts, las Bücher und eignete mir Schritt für Schritt das Wissen an, das mir vorher gefehlt hatte. Das war mühsam, hat mir aber auch sehr viel Sicherheit gegeben.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse war für mich: Die wichtigste Investition ist am Anfang häufig die Investition in das eigene Wissen und die eigenen Fähigkeiten.

Ich habe mich noch einmal weitergebildet, meinen Abschluss als geprüfte Betriebswirtin gemacht und dadurch auch beruflich ganz neue Möglichkeiten bekommen. Heute verdiene ich ungefähr doppelt so viel wie früher. Das ist natürlich kein allgemeines Versprechen, dass jede Weiterbildung automatisch zu einem höheren Einkommen führt. Für meinen eigenen Weg war die Investition in mein Humankapital aber eine der besten Entscheidungen überhaupt.

Deshalb möchte ich bei meiner Tochter früher anfangen

Meine Tochter muss mit fast neun Jahren noch nicht verstehen, wie ein ETF im Detail funktioniert oder wie sie später ihre Altersvorsorge aufbaut. Aber sie kann bereits lernen, dass Geld unterschiedliche Aufgaben haben kann.

Ein Teil darf für kleine Dinge ausgegeben werden, die ihr Freude machen. Ein anderer Teil kann für einen größeren Wunsch zurückgelegt werden. Und ein kleiner Teil kann über einen langen Zeitraum für ein Ziel wachsen, das heute noch weit entfernt erscheint.

Sie möchte später Ärztin werden. Ob das in zehn Jahren noch ihr Berufswunsch sein wird, weiß natürlich niemand. Aber ich kann ihr schon heute erklären, dass ein Studium Geld kostet und dass langfristige Ziele leichter erreichbar werden, wenn man früh beginnt, etwas dafür zurückzulegen.

Dabei geht es nicht darum, einem Kind Angst vor der Zukunft zu machen oder jeden Euro für später wegzusperren. Sie soll ihr Geld auch genießen und eigene Entscheidungen treffen dürfen. Ich möchte ihr lediglich zeigen, dass sie verschiedene Möglichkeiten hat.

Unsere drei Geldumschläge

1. Spaßausgaben

Geöffneter rosa Budgetplaner mit einem von einem Kind beschrifteten Geldumschlag für Spaßausgaben.
Der erste Umschlag ist für kleine spontane Ausgaben gedacht. Davon darf sie sich etwas kaufen, das ihr Freude macht. Das kann eine Kleinigkeit beim Einkaufen, ein Eis oder etwas anderes sein, das sie gerne haben möchte.

Mir ist wichtig, dass dieser Umschlag tatsächlich ihr gehört. Natürlich sprechen wir über ihre Entscheidungen. Aber ich möchte nicht jede kleine Ausgabe bewerten oder ihr anschließend vorhalten, dass sie das Geld besser hätte sparen können. Auch der bewusste Umgang mit frei verfügbarem Geld muss gelernt werden.

2. Größere Wünsche

Geöffneter rosafarbener Budgetplaner für Kinder mit einem selbst beschrifteten Sparumschlag für große Wünsche und einem blauen Stift.
Der zweite Umschlag ist für Dinge gedacht, die mehr kosten und für die sie länger sparen muss. Dadurch wird aus dem allgemeinen Satz „Das wünsche ich mir“ ein konkretes Ziel.

Gemeinsam können wir aufschreiben:

  • Wie viel kostet der Wunsch?

  • Wie viel Geld ist bereits vorhanden?

  • Wie viel fehlt noch?

  • Wie lange möchte sie ungefähr dafür sparen?

So lernt sie, dass nicht jeder Wunsch sofort erfüllt werden muss – und dass es sich gut anfühlen kann, ein selbst gesetztes Ziel aus eigener Kraft zu erreichen.

3. Langfristige Ziele

Geöffneter rosafarbener Budgetplaner für Kinder mit einem selbst beschrifteten Sparumschlag für langfristige Ziele und einem blauen Stift.
Der dritte Umschlag ist für die Zukunft gedacht. Dieses Geld soll nicht für den nächsten kleinen Wunsch verwendet werden, sondern über einen längeren Zeitraum liegen bleiben.

Für ein Kind ist „langfristig“ natürlich noch schwer greifbar. Deshalb besprechen wir konkrete Beispiele: ein späteres Studium, der Führerschein, die erste Wohnung oder ein anderes großes Ziel. Es geht zunächst nicht um riesige Summen. Entscheidend ist die Gewohnheit, regelmäßig einen kleinen Teil für später zurückzulegen.

Optional: Spenden und Teilen

Ein vierter Topf kann für Spenden, Geschenke oder andere Menschen gedacht sein. Bei uns ist dieser Umschlag freiwillig. Ich möchte meiner Tochter zeigen, dass Geld auch dazu genutzt werden kann, anderen eine Freude zu machen oder etwas Gutes zu unterstützen. Sie soll sich aber nicht verpflichtet fühlen, einen festen Teil ihres Taschengeldes abzugeben.

So nutzen wir den Budgetplaner

Der Budgetplaner soll für meine Tochter keine zusätzliche Hausaufgabe werden. Wir werden ihn am Anfang gemeinsam führen und jeden Schritt in Ruhe durchgehen.

Zunächst tragen wir ein, wie viel Bargeld sie besitzt. Danach entscheidet sie mit meiner Unterstützung, wie das Geld auf die drei Umschläge verteilt wird. Neue Einnahmen – zum Beispiel Taschengeld oder Geldgeschenke – werden ebenfalls eingetragen und anschließend aufgeteilt.

Wenn sie Geld aus dem Umschlag für Spaßausgaben verwendet, notiert sie auch diese Ausgabe. So kann sie später selbst nachvollziehen, wohin ihr Geld geflossen ist.

Ich erwarte nicht, dass sie von Anfang an jede Eintragung perfekt erledigt. Mir reicht zunächst, wenn sie versteht:

Geld verschwindet nicht einfach. Ich entscheide, was ich damit mache.

Den Budgetplaner, den ich meiner Tochter geschenkt habe, findest du hier:
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Wir nutzen diesen Budgetplaner selbst und finden ihn für den Einstieg richtig toll. Er enthält verschiedene Umschläge und passende Budgetblätter, auf denen Kinder ihre Einnahmen und Ausgaben festhalten können. Zusätzlich sind mehrere Sparchallenges enthalten. Diese habe ich für meine Tochter zunächst herausgenommen, weil sie für den Anfang noch etwas zu komplex sind. Wir konzentrieren uns erst einmal ganz in Ruhe auf die Grundlagen: Geld aufteilen, Sparziele festlegen und den Überblick behalten. Die Sparchallenges können später ergänzt oder von Mama und Papa genutzt werden.

Ein Buch über Geld zum neunten Geburtstag

Zu ihrem neunten Geburtstag bekommt meine Tochter außerdem das Buch „Ein Hund namens Money“ von Bodo Schäfer. Das Buch erzählt eine Geschichte und vermittelt dabei kindgerecht erste Grundlagen rund um Wünsche, Sparen und den Umgang mit Geld.

Wir haben das Buch noch nicht gemeinsam gelesen. Deshalb möchte ich an dieser Stelle auch nicht so tun, als könnte ich schon von unseren Erfahrungen damit berichten. Ich habe es bewusst für ihren Geburtstag ausgewählt und werde später ehrlich darüber schreiben, wie es ihr gefallen hat und was sie daraus mitnehmen konnte.

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Was ich meiner Tochter wirklich mitgeben möchte

Mein Ziel ist nicht, dass meine Tochter möglichst wenig Geld ausgibt oder jeden Cent krampfhaft festhält. Geld soll nichts Bedrohliches sein und auch kein Thema, über das man in der Familie nicht spricht.

Sie soll lernen:

  • Geld bewusst wahrzunehmen,

  • eigene Entscheidungen zu treffen,

  • Wünsche zu priorisieren,

  • auf größere Ziele zu sparen,

  • für ihre Zukunft vorzusorgen,

  • Fehler machen zu dürfen,

  • und Fragen zu stellen, wenn sie etwas nicht versteht.

Vor allem möchte ich ihr das Gefühl geben, dass Finanzwissen nichts Geheimnisvolles ist. Man muss nicht alles sofort wissen. Man kann es Schritt für Schritt lernen.

Wir stehen erst am Anfang

Ich weiß heute noch nicht, ob unsere drei Umschläge genau so dauerhaft funktionieren werden. Vielleicht stellen wir nach einigen Wochen fest, dass wir die Aufteilung verändern müssen. Vielleicht benötigt meine Tochter andere Kategorien oder verliert zwischendurch die Lust am Eintragen.

Auch darüber werde ich ehrlich berichten.

Dieser Artikel ist deshalb der Anfang einer neuen Reihe auf „Mama empfiehlt“. Unter Finanzwissen für Familien möchte ich künftig zeigen, wie wir uns gemeinsam mit Taschengeld, Sparzielen, Budgetplanung, Zinsen, Konten und später auch mit langfristiger Geldanlage beschäftigen.

Nicht als perfekte Musterfamilie und nicht mit dem Anspruch, dass unser Weg für alle richtig ist. Sondern als Familie, die gemeinsam lernt und ausprobiert.

Denn genau das hätte ich mir selbst früher gewünscht: jemanden, der mir Geld verständlich erklärt und mir zeigt, dass ich keine Angst davor haben muss.


Die Inhalte dieses Beitrags dienen der allgemeinen finanziellen Bildung und geben unsere persönlichen Erfahrungen wieder. Sie stellen keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Finanzberatung dar.

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